Arbeit

Der heutige Rebbauer empfindet wieder bei seiner Arbeit die Atmosphäre der Verbundenheit zwischen Mensch und Erde, zwischen Mensch und Natur. Die Weinberge in ihrer Form und Anordnung gehorchen weniger der agronomischen Doktrin der Bücher, sondern vielmehr dem Wissen unserer Vorfahren, die auch ohne Chemie die richtigen Werte und Notwendigkeiten ihrer Landgüter abzuschätzen wussten. Sie konnten somit sogar ihren Reben den richtigen, geeigneten Name zuteilen.

Das Aufziehen der Reben ist ja nicht irgendeine Arbeit. Die Reben muss man erziehen, wie ein Geschöpf, jede für sich. Der Weizen wächst wie alle Kräuter so wie er will; ein Baum dagegen kann man modellieren, solange er klein ist, später wenn er ausgewachsen ist, macht er was er will.

Die Rebe dagegen, ist immer auf der richtigen Höhe, so kann der Rebbauer beim Zurückschneiden ihr ins „Gesicht „schauen und dann entscheiden wo er schneiden oder öffnen will. Er wird sich bei der Traubenlese daran erinnern und sich fast immer bestätigt sehen in den Entscheidungen, die er vor Monaten getroffen hat. Manchmal überlegt er dann etwas anders vorzugehen, einen anderen Weg zu versuchen.

Das Ausprobieren und Versuchen sind übrigens schon immer das tägliche Brot des Rebbauers gewesen, früher und heute erst recht. Die Verschiedenheit der Böden und der Rebsorten, die Veränderungen der Jahreszeiten zwingen den Bauern den Fortschritt des neuen Jahrgangs aus der Nähe und sehr fleissig zu beobachten um Problemen vorzubeugen und die Behandlungen anzupassen, immer unerschütterlich überzeugt, dass der Wein schon im Weinberg gemacht wird. Darum züchten die Gebrüder Antolini für ihre Reben sogar Weiden, um das notwendige Bindmaterial vorhanden zu haben.

Wein

Auch der Wein erfordert die Pflege der Rebe ad personam, von der Traube angefangen. Jede einzelne Traube, oder der grösste Teil davon, wird in die Hand genommen, wird abgewogen und geschätzt in der kurze Zeit die notwendig ist um sie in die Flachkiste oder Plateau zu legen, mit dem Tastsinn spürt man den Reifungsgrad und das Potenzial. Einmal zum Ruhen gelegt, wird täglich der Trocknungsvorgang kontrolliert und man führt die richtige Lüftung zu, wenn die Meteorologie nicht günstig ist. Aus Erfahrung weiss man ja schon welcher Weinberg besser geeignet ist für die Produktion von Valpolicella Classico, Recioto oder Amarone und so ist es leicht zu erraten welche Behandlungen notwendig sind um das Beste zuerreichen.

All diese Pflege, die aus der Tradition stammt, aber die gleiche ist, die von der neuesten wissenschaftlichen Weinkunde gefordert wird, ist gerechtfertigt durch den speziellen Stellenwert vom Wein in der Volkskultur und vielleicht in der ganzen gesellschaftliche Kultur.

Der Wein wurde immer von einer Art Sakralaura begleitet, die nicht durch den alten Christlichen Kult begrenzt wurde. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden noch alten Sitten und Gebräuche gepflegt.

So begann die Weinlese nach der Madonna del Rosario, der Recioto wurde am Karfreitag umgefüllt, der Messwein wurde aus den gespendeten Trauben der ganzen Gemeinde gemacht.

In jedem Haus wurden einige Trauben an das Deckengebälk gehängt und für das Weihnachtsfest aufbewahrt. Einige Flaschen vom besten Wein wurden für die Taufe der Kinder auf die Seite gelegt.

Eine Flasche vom Guten besiegelte einen Vertrag, eine neue Freundschaft, ein Eheversprechen.

Wenn ein Vater den Jungbauer begleitete um offiziell um die Hand der Braut anzuhalten, so wurde das Einverständnis des Brautvaters mit der Einladung der Beiden sich an den Tisch zu setzen und eine Flasche vom Guten zu trinken ausgedrückt.